Einzelhandel und Innenstadtentwicklung
Fakten zu Behauptungen rund um das Thema Einzelhandel und Innenstadtentwicklung in München.
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Faktencheck
München als Standort des überregionalen Einzelhandels ist von den anhaltenden Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie besonders betroffen.
Corona ist der Todesstoß für Bayerns Innenstädte. Der Münchner Innenstadt droht die Verödung.
Der durch die Corona-Pandemie beschleunigte Umbruch im Einzelhandel ist eine Chance für die Innenstädte.
In der Tat haben sowohl die pandemiebedingten Schließungen als auch der verstärkte Umsatz im Onlinehandel direkte Auswirkungen auf den Einzelhandel und die Gastronomie in Münchens Innenstadt. Nichtsdestotrotz gibt es eine Vielzahl an Konzepten und Ideen, wie das Stadtzentrum zukünftig gestaltet werden kann. Werden diese Möglichkeiten von den beteiligten Akteuren erkannt und umgesetzt, so kann der stattfinde Umbruch eine Chance für eine attraktive und zukunftsfähige Innenstadt darstellen.
Die Erklärung für Interessierte:
1. Einleitung
2. Status Quo & Herausforderungen
Mit der Zunahme des Onlinehandels ist auch dessen Anteil am Umsatzvolumen des gesamtdeutschen Einzelhandels fast stetig gewachsen. Betrug der Anteil im Jahr 2003 lediglich 0,7 Prozent, so wurden laut HDE Online-Monitor 2025 im Jahr 2024 bereits 13,4 Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland online generiert. Nach einem Peak 2021 während der Corona-Pandemie ist der Anteil jedoch leicht rückläufig.
Werden bei den Berechnungen die Umsätze für Lebensmittel inkl. Getränken und Tabak herausgerechnet, betrug der Umsatzanteil des Onlinehandels 2024 sogar 18,9 Prozent. Demgegenüber ist ein Umsatzanteil von 3,0 Prozent (2024) im Food Bereich noch vergleichsweise gering.
Jedoch wurde in diesem Bereich in den letzten Jahren ein deutlich stärkeres Wachstum verzeichnet. Zwischen den Jahren 2021 und 2024 wuchs der Umsatz von Lebensmitteln, die Online gehandelt wurden, um 7,6 Prozent im Vergleich zu 0,2 Prozent Wachstum im Non-Food Bereich. Von 2023 zu 2024 steigerte sich der Online-Umsatz um 7,2 Prozent und war somit deutlich höher als im Non-Food Bereich (3,6 Prozent).
Der Trend, Lebensmittel vermehrt online zu bestellen, kann auch auf den Bereich der Gastronomie übertragen werden. So kam bei einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Bayerischen Zentrums für Tourismus im Jahr 2024 heraus, dass circa ein Prozent der Befragten täglich einen Lieferdienst für Speisen nutzen. Zwölf Prozent lassen sich ein- bzw. mehrmals die Woche und 18 Prozent mindestens einmal im Monat Speisen nach Hause liefern. 34 Prozent machen keinen Gebrauch von dieser Dienstleistung.
Basierend auf den vorgestellten Entwicklungen hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in einer von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie insgesamt vier zentrale Herausforderungen für die Zukunft der Innenstädte identifiziert:
1. Digitale Transformation des Einzelhandels
Durch die fortschreitende Digitalisierung ist der internationale E-Commerce der größte Konkurrent des stationären Handels und macht dessen Monopolstellung streitig. Gleichzeitig zwingen veränderte Kundeninteressen den traditionellen Einzelhandel sich zu transformieren. Unternehmen, die diese Wandlung nicht mitmachen wollen oder können, müssen um ihre Existenz fürchten.
2. Erreichbarkeit der Innenstadt und ihre Rolle als Verkehrsknotenpunkt
Das seit Jahren zunehmende Verkehrsaufkommen in den Innenstädten führt zu verstopften Straßen und einer hohen Nachfrage nach Parkplätzen. Zwar hat sich im Zuge der Corona Pandemie die Verkehrssituation temporär entspannt, allerdings müssten alternative und umweltfreundlichere Mobilitätskonzepte dennoch stärker gefördert und ausgebaut werden. Innerstädtische Mobilität neu zu organisieren ist daher eine zentrale stadtplanerische Herausforderung.
3. Steigende Waren- und Lieferströme
Durch ihre Lage am Stadtrand führen Logistikzentren heutzutage zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen in der Stadt. Neben gesteigerten Emissionswerten führt dies auch zu einem erhöhten Platzbedarf. Innovative Konzepte, die sich heute schon in Pilotphasen befinden, zu fördern sowie flächendeckend zu verbreiten stellt somit eine Lösung dar, den innerstädtischen Verkehr zu entlasten.
4. Aufrechterhaltung eines lebhaften Zentrums mit Aufenthaltsqualität
Der Einzelhandel als zentraler Anziehungspunkt der Innenstadt verliert zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig sind Naherholungs- und Grünflächen heutzutage eher rar in deutschen Stadtzentren. Um den Erlebnisfaktor der Innenstädte mehr in den Fokus zu stellen, bedürfe es daher einem ganzheitlichen Konzept, das die Erhöhung und Aufwertung des Wohnflächenanteils, ein kluges Stadtmarketing sowie urbane Gestaltung einschließt. Die Herausforderung für Kommunen besteht somit darin, ein solches Konzept trotz knapper finanzieller und personeller Ressourcen umzusetzen.
Dass die Bedürfnisse der Menschen nicht mehr mit der traditionellen Gestaltung der Innenstadt übereinstimmen, zeigt eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. So gaben über die Hälfte der Befragten an, dass sie mehr Sitzbänke, attraktive Aufenthaltsbereiche, beruhigte Zonen sowie öffentliche Grünflächen im öffentlichen Raum vorfinden wollen.
3. Szenarien, Handlungsmöglichkeiten und Best-Practice-Beispiele
Um den aufgezeigten Entwicklungen zu begegnen, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Konzeptvorschlägen, die mögliche Weiterentwicklungen der Innenstädte skizzieren.
Eine im Raum stehende Möglichkeit wäre die verstärkte Umwandlung von Gewerbe- zu Wohnraum. Z. B. würden sich laut Michael Held vom Bauprojektentwickler Terragon im Stadtzentrum auf Grund der guten Erreichbarkeit und auf Grund des demografischen Wandels Wohnformen für ältere Menschen, wie etwa dem betreuten Wohnen, besonders anbieten.
Für Iris Schöberl von der Immobilienfondsgesellschaft BMO Real Estate Partners Germany müsse die durch den Einzelhandel geprägte Monokultur der Innenstädte durch vielseitigere Konzepte aufgebrochen werden. Hierzu zähle etwa die Möglichkeit der Interimsnutzung von Flächen- und Gebäuden, um jungen Projekten gute und gleichzeitig preiswerte Lagen zu ermöglichen und Leerstandskosten zu vermeiden. Hierzu sei allerdings eine unterstützende Verwaltung notwendig, die unter anderem auch dazu bereit wäre, Regelungen zu lockern und flexibler zu agieren.
Laut Prof. Thomas Krüger von der Hamburger Hafen City Universität sei die Zeit vorbei, in der die Innenstädte nur noch dem Konsum dienen könnten. Immer mehr Menschen würden online einkaufen gehen und falls sie doch einen Laden aufsuchen, dann entweder einen in der unmittelbaren Nähe oder in größeren Shoppingcentern. Für ihn soll die Innenstadt der Zukunft nicht nur ein Ort des Konsums sein, sondern auch Raum bieten, „was zu erleben, um Freunde zu treffen, um Konzerte zu hören, um ganz tolle, besondere Angebote zu sehen, um Kunst und Kultur zu genießen und nebenbei noch einzukaufen.“ Hierfür müsse die Innenstadt wieder als Mitte der Stadt wahrgenommen werden, in der sich Menschen als soziale Wesen statt als Konsumenten begegnen. Gastronomie- und Einkaufsmöglichkeiten müssten daher durch Plätze ohne Konsumzwang ergänzt werden, an denen bspw. auch kostenlose Kulturangebote gemacht werden könnten. Durch freiwerdende Ladenflächen sei auch der Platzbedarf für verschiedene Projekte und Ideen gegeben. Um Innenstädte zukünftig anders zu gestalten, bedürfe es laut Krüger ein Innenstadtmanagement, in dem Menschen mit Fachwissen aus Handel, Kultur und Immobilien arbeiten. Kommunen allein könnten diese Aufgabe nicht bewerkstelligen.
In der bereits weiter oben erwähnten Studie des Fraunhofer Instituts IAO wurden vier Handlungsfelder für den Wandel der Innenstädte definiert und deren Innovationspotenziale erläutert:
1. Lokale Wertschöpfung und innerstädtischer Handel
Digitalisierung des stationären Einzelhandels
Zwar seien digitale Vertriebskanäle mittlerweile auch im traditionellen Einzelhandel angekommen, jedoch bestehe hier weiterhin großes ungenutztes Potenzial. Kommunen könnten den Einzelhandel stärken, indem sie z. B. Online-Portale und digitale Marktplätze anbieten, die das lokale Angebot bündeln und somit ein hybrides (offline und online) Einkaufen ermöglichen. Ein bereits bestehendes Beispiel eines solchen Angebots stellt das Einkaufs- und Erlebnisportal LiKE-Lippstadt dar.
Aufwertung des stationären Einzelhandels
Um den bestehenden Einzelhandel attraktiver zu machen und sein Alleinstellungsmerkmal deutlicher herauszustellen, sei zudem ein konsequenter „Consumer first“- Ansatz hilfreich. Einkaufen müsse daher zu einem Erlebnis werden, das bspw. durch die Integration von Spielplätzen in Einkaufsstraßen die Bedürfnisse der ganzen Familie bedienen könne. Ebenso sei es möglich, dass sich Einzelhandelsunternehmen und Grundstücksinhaber zu sogenannten Business Improvement Districts zusammenschließen und sich verpflichten, die nähere Umgebung durch gemeinsame Maßnahmen aufzuwerten.
Regionale Wirtschaftskreisläufe durch urbane Produktion
Eine weitere Maßnahme zur Weiterentwicklung von Innenstädten ist die Ansiedlung von Produktionsstätten in urbanen Gebieten. Dies könne zu mehr Beschäftigung, Aufwertung des räumlichen Umfeldes sowie zu Steuermehreinnahmen führen. Allerdings sei dabei auf eine emissionsarme und ressourceneffiziente Produktions- und Transportweise zu achten.
Urbane Landwirtschaft
Durch professionelle, landwirtschaftliche und gartenbauliche Aktivitäten im städtischen Ballungsgebiet kann eine unmittelbare Nähe zwischen Verbraucherinnen und Verbrauchern und Absatzmärkten hergestellt werden. Logistikprozesse ließen sich so optimieren und gleichzeitig könnten Emissionen und Kosten reduziert werden. Allerdings steht das Konzept der urbanen Landwirtschaft im Konflikt mit dem herrschenden Platzmangel in Städten. Daher sei es notwendig, Konzepte zu entwickeln, die diesen Zielkonflikt überwinden. Als Beispiel führen die Autoren der Studie eine im Londoner Untergrund betriebene Gemüsefarm oder das Projekt inFARMING an, das Technikforschung und Umsetzungskonzepte für urbane Landwirtschaft auf Dächern vertreibt.
2. Städtischer Transport
Innovation in der Innenstadtlogistik
Beim Thema Innenstadtlogistik geht es vor allem um die Anlieferungen von Waren an Unternehmen und Geschäfte sowie die Zustellung von Paketen an Einzelpersonen. Die größte Herausforderung ist dabei die Zunahme des Lieferaufkommens bei gleichzeitig geringen Lagerkapazitäten. Um dieser Herausforderung zu begegnen, bedürfe es z. B. eines digital gestützten Lieferzonenmanagements, das etwa durch sensorbasierte Verkehrsschilder in Kombination mit der Nutzung einer Smartphone-Applikation die Möglichkeit bietet, freien Ladezonen in Echtzeit anzeigen zu lassen und diese ggf. zu reservieren. Die Nutzung von Lastenrädern könnte ebenso zu einer verbesserten Innenstadtlogistik beitragen. Allerdings seien hierfür wiederum Plätze notwendig, an denen Waren von Lieferfahrzeugen auf Lastenräder umgeschlagen werden können. Zudem müsse ein intelligentes Raum- und Auftragsmanagement dafür sorgen, dass sämtliche Maßnahmen übergreifend gebündelt und optimal eingesetzt werden.
Neue urbane Mobilitätkonzept
Neben der Logistik ist eine zentrale Herausforderung, den Verkehr im Innenstadtbereich zu entlasten. Hierfür müssen einerseits vorhandene Flächen effizienter genutzt werden. Andererseits müssen alternative Konzepte so gestaltet werden, dass sie auch eine wirkliche Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellen. Die Studienautoren sehen in digital gestützten Mobilitätsdiensten für den Einzelhandel eine Möglichkeit, dies zu erreichen. So besteht bereits heute im Rahmen des Projekts likebike in Tübingen die Möglichkeit, dezentral platzierte E-Lastenräder per App auszuleihen und für den Transport von Einkäufen zu nutzen.
3. Aufenthalt und Erlebnis
Nutzungs-Konzepte zur Belebung der Innenstadt
Um der sinkenden Passanten-Frequenz und der zunehmenden Leerstandsquote in deutschen Innenstädten zu begegnen, benötige es innovative Nutzungs-Konzepte, die die Stadtzentren wieder zu attraktiven Anziehungsorten werden lassen. Hierzu zählen temporäre Aktionen im Erlebnisraum Innenstadt, wie etwa Pop-up-Bewegungsangebote auf Park- oder Verkehrsflächen oder Augmented Reality Navigation durch die Innenstadt, um den Nutzerinnen und Nutzern zu ermöglichen, eine Stadt selbstständig zu erkunden.
Schaffung innovativer und vielfältiger Gastronomieangebote
Zudem spielt das Gastronomische Angebot im städtischen Raum eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung der Innenstädte. Kulinarische Vielfalt gilt dabei als essenziell um verschiedene Gruppen anzusprechen und die Besucherfrequenz zu erhöhen. Derzeit stellen der hohe Flächenbedarf und die damit verbundenen hohen Mietkosten ein Problem für die Gastronomie dar. Zudem unterliegt das Konsumverhalten einem Wandel. Lösungen für diese Herausforderungen wären daher flexible und temporäre Gastronomie-Konzepte, die kulinarische Vielfalt bedienen. Durch die einfach umsetzbaren Pop-up-Straßenlokale könnte zudem das Problem des erhöhten Flächenbedarfs begegnet werden. Hierzu müsste Gastronomiebetreibern flexibel und unkompliziert gestattet werden, angrenzende Parkflächen oder nicht für Gastronomie nutzbare Flächen temporär zu beziehen.
Individuelle urbane Räume durch Integration der Kreativwirtschaft
Neben dem Einzelhandel und der Gastronomie weisen die Autoren der Studie der Kreativwirtschaft eine wichtige Bedeutung für die Zukunft der Innenstädte zu. Kreativität und Kultur wird als zentraler Standortfaktor wahrgenommen. Daher ist es wichtig, der Branche den nötigen Raum zur Entfaltung und Präsentation ihrer Arbeit zu ermöglichen. Dies gelinge z. B., indem Gewerbeflächen geteilt und / oder unterschiedlich genutzt würden. Das bedeutet, dass die gleiche Fläche je nach Tageszeit oder Saison einer anderen Nutzung unterliegt. Neben Mietkosteneinsparungen kann dies außerdem vorherrschenden Flächenkonflikte minimieren. Wie die dazu nötige branchenübergreifende Zusammenarbeit gestaltet werden kann, zeigt sich am Beispiel der Vienna Design Week. Neben Design- und Kunstschaffenden beteiligen sich auch Akteure aus der Stadtplanung und der Soziologie daran, gemeinsam Maßnahmen und Projekte zu entwickeln, die sich mit sozialraumorientierten Designlösungen auseinandersetzen.
4. Identität und Image
Systematische Imageaufwertung durch Stadtmarketing
Heutzutage stehen Städte in einem Wettbewerb zueinander. Das Image und die Identität einer Stadt gelten daher als einflussreiche Faktoren für deren Attraktivität. Um diese Faktoren positiv zu beeinflussen und zu nutzen, ist ein mit personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattetes kundenorientiertes Stadtmarketing entscheidend. Durch den Einsatz innovativer digitaler Instrumente können aber auch diese Kommunen ihre Attraktivität steigern. Ein digitales Stadt- und Standortmarketing mittels Virtual Reality (VR) und 360-Grad-Anwendungen bspw. vermittelt Standortinformationen, die vor Ort nicht ersichtlich sind. So könnten neben Fakten zu historischen Orten Informationen über Einzelhandelsunternehmen und Gastronomiebetriebe bereitgestellt werden.
Neue Konzepte für innerstädtisches Wohnen
Um der steigenden Wohnungsnachfrage und der zunehmenden Gentrifizierung entgegenzuwirken, werden in der Studie neue Wohnkonzepte vorgeschlagen. Neben der Nachverdichtung durch etwa den Dachgeschossbau und dem Zusammenschluss zu Baugemeinschaften sollen Wohnformen wie das Co-Housing einen Beitrag zum innerstädtischen Wohnen bieten. Dabei teilen sich die Bewohnerinnen und Bewohner eines ganzen Häuserblocks Küche, Bad, Autos sowie die Außenanlagen.
4. Entwicklungen in der Münchner Innenstadt
Die Münchner Stadtverwaltung hat erkannt, dass sich die Innenstadt, trotz vergleichsweise geringem Leerstand, weiterentwickeln muss. So führt die Stadtbaurätin Elisabeth Merk aus:
Wir brauchen attraktive Freiräume in der Stadt, wo sich Menschen auch begegnen können und ich denke, die Eigentümer, aber auch die Unternehmen müssen eine größere Offenheit zeigen, auch neue Nutzungskonzepte mit neuen Akteuren einzugehen, und dann beispielsweise ihre Ladenlokale auch nach Umsatzmiete zu vermieten, um da einfach mehr Spielraum zu eröffnen.
Die Landeshauptstadt München hat ein Freiraumquartierskonzept in Auftrag gegeben, das die Potenziale der Freiräume in der Innenstadt bestimmen soll. Hierzu werden Erkenntnisse und Daten aus der Bestandsaufnahme der bestehenden Grünräume, vorhandene Planungen sowie der Zukunftsvision einer „autofreien“ Altstadt zusammengeführt. Anschließend sollen auf Basis dieser Grundlagen verschiedene Handlungsansätze entwickelt sowie konkrete Empfehlungen für Einzelprojekte formuliert werden.

Für Experten wie Professor Benedikt Boucsein von der Technischen Universität München (TUM) ist klar, dass der Innenstadtbereich auf jeden Fall grüner werden muss, um den steigenden Temperaturen durch den Klimawandel entgegenzuwirken. Neben Baumpflanzungen überlege das Referat für Stadtplanung und Bauordnung auch, ehemalige Seitenarme der Isar oder Bachzuläufe offenzulegen.
Beispielprojekt zur Weiterentwicklung der Münchner Innenstadt
Ein Beispiel ist der Umbau des ehemaligen Karstadt Sports am Stachus zu einem Mixed-Use-Gebäude. Ende 2021 wurde bekannt, dass rund ein Drittel der Fläche zukünftig von der Max-Planck-Gesellschaft langfristig angemietet wird. Durch diesen Schritt möchte die Forschungsgesellschaft ermöglichen, dass die insgesamt 215 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Innovation und Wettbewerb unter einem gemeinsamen Dach arbeiten können. Bislang sind die Angestellten auf einen Hauptsitz und zwei Außenstellen verteilt. Zudem sollen im ehemaligen Karstadt Sports 50 Bibliotheksarbeitsplätze entstehen, die sowohl von intern als auch von extern zugänglich sein sollen. Die verbleibenden Büroflächen sind für Einzelhandel, Gastronomie und weitere Büros vorgesehen. Im Juli 2025 sind die neuen Mieter eingezogen.
