Arbeitsplätze und Wohnraum
Fakten rund um das Thema Arbeitsplätze und Wohnraum

In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als neue Wohnungen gebaut.
Durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze verschärft sich die Wohnsituation in München.
Faktencheck:
Die Erklärung für Interessierte
- Bestand an Wohnungen in München im Jahr 2014: 775.175
- Bestand an Wohnungen in München im Jahr 2024: 842 907
→ Im Jahr 2023 existierten somit 67.732 mehr Wohnungen als zehn Jahre zuvor.
Quelle: Referat für Stadtplanung
- Beschäftigte, die in der Stadt München einer Erwerbstätigkeit nachgingen, im Jahr 2014: 776.405
- Beschäftigte, die in der Stadt München einer Erwerbstätigkeit nachgingen, im Jahr 2024: 970.646
→ Im Jahr 2024 arbeiteten somit 194.241 Personen mehr in München als zehn Jahre zuvor.
Quelle: Statistisches Amt München
Die Aussage, dass in München in den letzten zehn Jahren mehr neue Arbeitsplätze geschaffen wurden als Wohnungen gebaut wurden, stimmt zunächst. Dass jedoch tatsächlich jeder neue Arbeitsplatz auch den Bedarf für eine zusätzliche Wohnung auslöst, kann nicht belegt werden. Denn es sind sehr viele weitere Faktoren zu berücksichtigen. Somit ist die Schlussfolgerung falsch, dass das Wachstum der Arbeitsplätze im Gleichschritt mit dem Wachstum der Zahl der Wohnungen erfolgen müsse.
Auf den ersten Blick sieht es logisch aus, dass jeder neue Arbeitsplatz von jemandem besetzt wird, der nach München zuzieht, womit eine weitere Wohnung benötigt wird. Dies ist jedoch in der Realität nicht so, viele Fakten werden außer Acht gelassen. Jedes der nachfolgenden Szenarien hat zur Folge, dass für einen neuen Arbeitsplatz keine neue Wohnung benötigt wird.
- Ein Arbeitsloser besetzt ein neuen Arbeitsplatz: Die Zahl der Arbeitslosen in München stieg zwischen 2014 und 2024 um 6.311 Personen (Stand Dezember des jeweiligen Jahres). Sollte eine arbeitslose Person eine neue Anstellung finden, benötigt diese üblicherweise keine neue Wohnung, da sie bereits zuvor in München gelebt hat.
- Ein Pendler besetzt einen neuen Arbeitsplatz: Ein Teil der neu Beschäftigten sind Pendler, die keine neue Wohnungen in München benötigen. Im Jahr 2024 pendelten rund 461.895 Personen von außerhalb Münchens nach München ein. Im Jahr 2014 lag dieser Wert noch bei rund 348.855 Personen. Zu korrigieren ist dieser Wert um die Zunahme der Pendler, die in München wohnen und zu einem Arbeitsort außerhalb Münchens fahren. Die Differenz aus Ein- und Auspendlern wird Pendlersaldo genannt und belief sich 2024 auf 251.312 Arbeitende.
- Vermehrt gehen Personen, die bisher weder erwerbstätig noch arbeitslos gemeldet waren, einer Erwerbstätigkeit nach. Zu diesen Personengruppen gehören unter anderem Frauen. Im Jahr 2024 gingen 343.917 von den insgesamt 811.327 Münchnerinnen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Der Anteil betrug somit 42,4 Prozent. Im Jahr 2013 lag dieser Wert noch bei rund 37,3 Prozent. Auch wenn keine exakten Statistiken vorliegen, kann hier davon ausgegangen werden, dass neue Arbeitsplätze entstanden sind, ohne einen Zuzug nach München auszulösen.
- Ein neuer Arbeitsplatz in Form einer geringfügigen oder Teilzeitbeschäftigung wird von jemandem besetzt, die oder der diese Tätigkeit als zweite Erwerbstätigkeit aufnimmt. Auch in diesem Fall lebt die oder der „neue Erwerbstätige“ bereits in München.
Die Fallkonstellationen zeigen folgendes: Der Anteil der Arbeitsplätze, der nicht durch neu nach München ziehende Personen besetzt wurde, ist bei der Diskussion um Arbeitsplätze und Wohnraum mit zu berücksichtigen. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der in den letzten Jahren neu gebauten Wohnungen nicht im behaupteten Missverhältnis zur Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze steht. Aufgrund der unzureichenden Datenlage ist eine exaktere Berechnung kaum zu leisten.
Und völlig unabhängig von der Zuzugsdebatte: Von der wirtschaftlichen Prosperität Münchens profitieren alle. Forderungen, dass Unternehmensansiedlungen besser woanders erfolgen sollen, blenden aus, dass sich Wirtschaftssektoren wandeln. Wir benötigen neue Arbeitsplätze in jungen Sektoren und neuen Unternehmen, denn niemand kann prognostizieren, ob die traditionell in München starken Branchen noch dieselbe Zahl an Arbeitsplätzen für die nächsten Generationen von Münchnerinnen und Münchner bieten können.
Zudem zeigt sich, dass Kinderarmut und der Anteil der Hartz-IV Empfänger in Städten mit vitaler Wirtschaft sowie Raum für Strukturwandel und neuen Arbeitsplätze tendenziell geringer sind. Beim Vergleich der 15 größten Städte in Deutschland war der Anteil der SGB-II-Leistungsberechtigten an der Gesamtbevölkerung in München zwischen 2006 und 2023 stets am geringsten. 2023 betrug er lediglich 5,8 Prozent. In den 15 Großstädten zusammen betrug die SGB II-Quote 2022 durchschnittlich 12,4 Prozent, in der Bundesrepublik Deutschland ohne diese 15 Großstädte 7,0 Prozent und in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 8,0 Prozent. Am weitesten aufgestiegen im Ranking im betrachteten Zeitraum ist Leipzig. Die Stadt wurde in den letzten Jahren auch auf Grund der Vielzahl der Neuansiedelungen von Unternehmen immer wieder als „Boom-Stadt“ bezeichnet. Dies hatte zur Folge, dass sich der Anteil der Hartz-IV-Empfänger in Leipzig von 21,2 Prozent im Jahr 2006 auf 10,8 Prozent im Jahr 2023 verringert hat. Hingegen ist die Stadt Essen in der Wertung am weitesten abgestiegen, sodass sie seit 2016 auf dem Letzten der 15 Plätze geführt wird. Auf den Plätzen 13 und 14 rangieren die Ruhrgebiets-Städte Dortmund und Duisburg. Hier zeigt sich, dass der Strukturwandel und der damit verbundene Rückgang der Montanindustrie in direktem Zusammenhang mit einem hohen Anteil an Erwerbslosen zu stehen scheint. Daraus lässt sich folgern, dass sich eine gesunde Wirtschaft, die auf verschiedenen Branchen aufbaut und sich dynamisch entwickeln kann, positiv auf die Einwohner einer Stadt auswirken kann.
